Leonie Hirt, Medical Writerin

Medical Writing im Zeitalter der KI: Warum der Mensch unverzichtbar bleibt

Künstliche Intelligenz kann Medical Writer bei Recherche, Strukturierung und Textarbeit unterstützen, ersetzt jedoch nicht die medizinisch-wissenschaftliche Einordnung und fachliche Verantwortung.

Künstliche Intelligenz kann Medical Writer bei Recherche, Strukturierung und Textarbeit unterstützen, ersetzt jedoch nicht die medizinisch-wissenschaftliche Einordnung und fachliche Verantwortung. Professionelles Medical Writing besteht nicht nur darin, Informationen sprachlich korrekt wiederzugeben. Es erfordert medizinisches Verständnis, die Fähigkeit, komplexe Inhalte einzuordnen und auf das jeweilige Kommunikationsziel auszurichten, sowie Verantwortungsbewusstsein und ein sicheres Gespür für unterschiedliche Zielgruppen.

KI im Medical Writing: Schnelligkeit ersetzt keine fachliche Einordnung

Generative KI kann innerhalb kurzer Zeit medizinische Texte erstellen, Studien zusammenfassen und Formulierungen optimieren. Ein Medical Writer benötigt für Recherche, Konzeption und Ausarbeitung in der Regel zusätzliche Arbeitsschritte. Dadurch kann der Eindruck entstehen, Medical Writing ließe sich weitgehend automatisieren.

Schnelligkeit und sprachliche Schlüssigkeit allein sind jedoch keine Qualitätsmerkmale für medizinische Fachtexte. Entscheidend ist, relevante Informationen auszuwählen, sie im jeweiligen medizinisch-wissenschaftlichen Kontext einzuordnen und zu beurteilen, welche Schlussfolgerungen sich daraus tatsächlich ableiten lassen.

Der zentrale Unterschied liegt damit nicht allein in der Texterstellung. KI kann Informationen verarbeiten und sprachlich aufbereiten. Medical Writer müssen zusätzlich beurteilen, welche Informationen relevant und belastbar sind und wie sie im jeweiligen Kommunikationskontext eingesetzt werden können.

Warum Medical Writing mehr als Texterstellung ist

Medical Writer übertragen Informationen nicht einfach aus einer Quelle in ein neues Format. Sie erfassen den medizinisch-wissenschaftlichen Kontext und berücksichtigen, welche Aussage mit einem Kommunikationsprojekt vermittelt werden soll.

Aus Studien, Publikationen und weiteren Materialien entwickeln Medical Writer eine nachvollziehbare Argumentationslinie. Sie entscheiden, welche Inhalte benötigt werden, wie sie miteinander verknüpft werden und welche Detailtiefe für das jeweilige Format angemessen ist.

Medical Writer übernehmen dabei auch eine beratende Funktion. Sie entwickeln alternative Ansätze, wenn eine geplante Struktur nicht funktioniert oder sich eine gewünschte Aussage nicht überzeugend aus den vorhandenen Informationen ableiten lässt.

Wie Medical Writer wissenschaftliche Daten einordnen

Die wissenschaftliche Einordnung von Daten geht über die Zusammenfassung einzelner Studienergebnisse hinaus. KI kann Ergebnisse zusammenfassen oder Zahlen aus Dokumenten extrahieren. Die Bewertung ihrer Bedeutung erfordert jedoch die Berücksichtigung des jeweiligen wissenschaftlichen und kommunikativen Kontexts.

Ein statistisch signifikantes Ergebnis ist beispielsweise nicht automatisch klinisch relevant. Ebenso kann eine Aussage grundsätzlich korrekt sein, aber im konkreten Zusammenhang weitere Einordnung benötigen oder nicht zur übergeordneten Argumentation passen.

Medical Writer prüfen deshalb nicht nur einzelne Aussagen. Sie führen Informationen und Anforderungen aus Medizin, Marketing, Zulassung und weiteren beteiligten Bereichen zu einem wissenschaftlich konsistenten Gesamtprojekt zusammen.

Warum Medical Writer Informationslücken erkennen müssen

Professionelles Medical Writing beginnt mit der Prüfung der verfügbaren Informationen. Medical Writer hinterfragen Briefings, gleichen Unterlagen miteinander ab und erkennen, wenn entscheidende Angaben fehlen oder sich Informationen widersprechen.

Generative KI verarbeitet zunächst die Informationen und Anweisungen, die ihr zur Verfügung gestellt werden. Eine unvollständige Informationsgrundlage kann dennoch zu einem sprachlich vollständig wirkenden Text führen.

Medical Writer müssen deshalb erkennen, wann zusätzliche Informationen erforderlich sind. Sie formulieren gezielte Rückfragen an Autoren und Experten und klären Unstimmigkeiten, bevor diese in die weitere Ausarbeitung einfließen.

Wie Medical Writer Briefings und Feedback fachlich einordnen

Medical Writer müssen neben wissenschaftlichen Inhalten auch Briefings, Kommentare und Änderungswünsche fachlich interpretieren. Erwartungen sind nicht immer eindeutig formuliert. Kommentare verschiedener Beteiligter können sich widersprechen oder eine gewünschte Änderung kann mit anderen Teilen des Inhalts in Konflikt stehen.

Die Aufgabe des Medical Writers besteht deshalb nicht darin, jeden Kommentar isoliert umzusetzen. Kommentare müssen bewertet, priorisiert und sinnvoll in das Gesamtkonzept integriert werden.

Dafür sind neben medizinisch-wissenschaftlicher Expertise auch kommunikative Fähigkeiten erforderlich. Medical Writer müssen unterschiedliche Anforderungen erkennen und Lösungen entwickeln, die fachliche Korrektheit, Kommunikationsziel und Erwartungen der Projektbeteiligten miteinander verbinden.

Warum Zielgruppenverständnis im Medical Writing entscheidend ist

Zielgruppengerechtes Medical Writing bedeutet mehr, als Fachbegriffe auszutauschen oder einen Text sprachlich zu vereinfachen. Inhalt, Tonalität, Struktur und Detailtiefe müssen auf die jeweilige Zielgruppe abgestimmt werden.

Ein Manuskript für ein wissenschaftliches Journal folgt anderen Anforderungen als eine medizinische Fortbildungspräsentation. Auch Patientinnen und Patienten benötigen andere Erklärungen als Fachärzte, Außendienstmitarbeiter, Zulassungsbehörden oder interne Entscheidungsträger.

Medical Writer berücksichtigen deshalb den Wissensstand und die Erwartungen der jeweiligen Zielgruppe. Sie entscheiden, welche Fachbegriffe vorausgesetzt werden können, welche Zusammenhänge erklärt werden müssen und welche Detailtiefe angemessen ist. Gleichzeitig berücksichtigen sie, wie Aussagen verstanden oder möglicherweise missverstanden werden können.

Warum KI die Verantwortung im Medical Writing nicht übernehmen kann

Die fachliche Verantwortung für medizinische Kommunikation bleibt beim Menschen. Medizinische Inhalte müssen nachvollziehbar, wissenschaftlich korrekt und sorgfältig belegt sein.

Generative KI kann falsche Informationen erzeugen und diese sprachlich ebenso überzeugend darstellen wie korrekte Inhalte. Auch Quellenangaben können unpassend, unvollständig oder fehlerhaft sein.

Medical Writer prüfen Aussagen deshalb anhand der relevanten Originalquellen, erkennen unbelegte Schlussfolgerungen und achten darauf, dass Limitationen transparent dargestellt werden. KI kann einzelne Schritte dieses Prozesses unterstützen. Die fachliche und ethische Verantwortung für das Endergebnis kann sie jedoch nicht übernehmen.

Wo KI Medical Writer sinnvoll unterstützen kann

KI kann Medical Writer insbesondere bei vorbereitenden, standardisierten und wiederkehrenden Aufgaben unterstützen. Dazu gehören beispielsweise:

  • eine erste Orientierung in einem Themengebiet,

  • vorläufige Zusammenfassungen,

  • Vorschläge für Gliederungen und Formulierungen,

  • die Identifikation von Wiederholungen,

  • die Prüfung auf sprachliche Auffälligkeiten,

  • die Identifikation inkonsistenter Terminologie.

Der Einsatz von KI kann dadurch einzelne Arbeitsschritte beschleunigen und Medical Writern mehr Zeit für Aufgaben geben, bei denen fachliche Einordnung und Urteilskraft besonders wichtig sind. Dazu gehören die kritische Bewertung von Daten, die Entwicklung von Kommunikationskonzepten und die Zusammenführung unterschiedlicher fachlicher Perspektiven.

Voraussetzung für den Einsatz von KI im Medical Writing ist die sorgfältige Prüfung der Ergebnisse. Medizinische Aussagen müssen mit den relevanten Originalquellen abgeglichen und fachlich bewertet werden.

Wie hilfreich KI im Medical Writing ist, hängt deshalb wesentlich von der Expertise der Anwender ab. Wer ein medizinisches Thema fachlich versteht, kann präzisere Anweisungen formulieren, relevante Ergebnisse erkennen und ungeeignete Ausgaben identifizieren.

KI verändert die Rolle von Medical Writern, ersetzt sie aber nicht

KI und Medical Writer übernehmen im Medical Writing unterschiedliche Funktionen. KI kann die Verarbeitung, Strukturierung und sprachliche Aufbereitung von Informationen unterstützen. Medical Writer bringen medizinisch-wissenschaftliche Expertise, Kontextverständnis, kommunikative Erfahrung und fachliche Verantwortung ein.

Mit zunehmendem Einsatz von KI kann sich die Arbeit von Medical Writern weiter verändern. Bestimmte repetitive und formale Arbeitsschritte könnten stärker automatisiert werden, während die Prüfung, wissenschaftliche Einordnung und Beratung an Bedeutung gewinnen.

Je mehr Inhalte automatisiert erstellt werden, desto wichtiger wird damit die Fähigkeit, deren Qualität zuverlässig zu beurteilen.

Die Medical Writer von co.medical setzen KI dort ein, wo sie Arbeitsprozesse sinnvoll unterstützen kann. Sie verbinden die Effizienz KI-gestützter Werkzeuge mit medizinisch-wissenschaftlicher Expertise, fachlicher Prüfung und menschlicher Urteilskraft. So bleibt die Qualität medizinischer Kommunikation auch beim Einsatz neuer Technologien im Mittelpunkt.