Dr. Juliane Schreier

So überzeugt Ihr wissenschaftliches Poster

Die Studiendaten sind überzeugend, aber auf dem Kongress war das Interesse für Ihr Poster nur mäßig? Dann prüfen Sie doch mal, ob Sie bei der Gestaltung des Posters etwas verbessern können. Wir haben Ihnen die wichtigsten Punkte zusammengestellt.

Abstrakte Darstellung eines wissenschaftlichen Posters

Informationsmenge begrenzen

Ein Poster ist kein Paper im Großformat. Die Informationsmenge würde den Betrachter schlicht und einfach erschlagen. Beschränken Sie sich daher bitte rigoros auf ein oder zwei Aspekte, die Sie dem Betrachter nahebringen möchten. Es sollte möglich sein, das Poster in 5 Minuten zu lesen. Die einzelnen Strukturelemente entsprechen dem eines wissenschaftlichen Papers: Einführung, Methoden, Ergebnisse, Diskussion und Schlussfolgerung. Lediglich auf eine Zusammenfassung wird verzichtet, da das Poster an sich schon die Zusammenfassung eines wissenschaftlichen Aspektes ist.

Titel griffig wählen

Der Titel Ihres Posters wird zuerst gelesen und gehört deshalb zu den wichtigsten Elementen des Posters. Er sollte das zusammenfassen, was Sie mit Ihrem Poster mitteilen möchten und kann als Aussage oder Frage formuliert werden. Mehr als 10 Wörter sollten im Titel aber nicht enthalten sein. Die Schrift muss so groß gewählt werden, dass sie auch aus einiger Entfernung (ca. 5 m) noch gelesen werden kann. Die empfohlene Schriftgröße beträgt 96 Punkt in einem halbfetten oder fetten Schriftgrad. Für Autoren und Institutionen wird eine Schriftgröße von 60 Punkt empfohlen.

Text zuspitzen

Anders als in einem Artikel für eine Fachzeitschrift muss nicht jeder Aspekt ausführlich erklärt werden. Kurze prägnante Sätze erleichtern es dem Betrachter, den Kern der Arbeit sofort zu erkennen. Reduzieren Sie Fließtext auf ein Minimum, indem Sie ihn zum Beispiel durch Bullet Points oder Flussdiagramme unterbrechen. Als Betrachter eines Posters möchte man einfach schnell zum Kern der Sache vordringen. Formatieren Sie in der Spalte am besten linksbündig statt im Blocksatz, um unangenehme Wortabstände zu vermeiden. Verwenden Sie eine Schriftgröße von etwa 44 Punkt mit einem Zeilenabstand von 52 Punkt, um die Lesbarkeit zu erleichtern. Für Überschriften im Text gilt 56 Punkt in fettem Schriftgrad mit 40 Punkt Abstand nach oben und 20 Punkt Abstand nach unten.

Grafiken schnell erfassbar machen

Verständliche Grafiken sind in einem Poster das Wichtigste. Die Grafiken müssen natürlich wie immer selbsterklärend und sollten schnell erfassbar sein. Die Größe der Grafik sollte mindestens 13 × 18 cm betragen und von zwei Meter Entfernung gut lesbar sein. Zu jeder Grafik gehört eine prägnante Abbildungsbeschriftung (empfohlene Schriftgröße: 40 Punkt, kursiv gesetzt) und eine Nummer, damit man im Text auf die Grafik verweisen kann. Um die Zuordnung zwischen Grafik und der Referenz im Text optisch stärker zu betonen, empfiehlt sich ein größerer Schriftgrad und halbfette Darstellung (Abbildung). Vier Grafiken pro Poster sind ausreichend.

referenzierung auf einem wissenschaftlichen poster

Betrachter einladen und Platzangst vermeiden

Stellen Sie sich vor, Sie betreten ein Zimmer, das mit Möbeln so zugestellt ist, dass Sie sich darin kaum bewegen können. Die Wand ist mit Bildern tapeziert und von der Decke ragt ein Kronleuchter, der Sie zu erschlagen droht. Eventuell wurde sogar noch ein Zwischenboden eingezogen, um die Raumhöhe optimal auszunutzen. Haben Sie nun Interesse, alle Gegenstände des Raumes in Ruhe zu betrachten oder fühlen Sie sich beengt und möchten eher davonlaufen? Dieses Gefühl sollten Sie beim Betrachter Ihres Posters unbedingt vermeiden. Wir raten »Mut zur Lücke« und meinen damit das Verhältnis von Weißraum zu Bedrucktem (Abbildung). Viele Posterautoren empfinden Weißraum als unökonomisch, doch das Gegenteil ist der Fall. Wer durch Verkleinern des Textes und der Grafiken mehr und mehr Informationen auf das Poster bekommen möchte, löst beim Betrachter Platzangst aus.

weißraum auf einem wissenschaftlichen poster

Betrachter gewinnen werden Sie dagegen, wenn Sie sich an folgende Empfehlungen halten:

  • Mindestens die Hälfte des Posters sollte für graphische Darstellungen, Diagramme und Fotos verwendet werden.
  • Kürzen Sie Textblöcke und Ergebnistabellen so weit wie möglich, ohne aber die Verständlichkeit aufzuheben.
  • Verwenden Sie Farben zum Hervorheben einzelner Strukturelemente und zur Betonung der Gesamtstruktur des Posters. Doch Vorsicht, eine zu große Farbvielfalt wirkt schnell zu verspielt oder unruhig.
  • Ein farbiger Rahmen lässt ein Poster mit weißem Hintergrund als Einheit erscheinen und sich von der Umgebung abheben.

Poster richtig ausdrucken

Bitte überprüfen Sie Ihr Poster vor dem Ausdrucken im Großformat, um Zeit und Kosten zu sparen, die durch Fehldrucke entstehen. Sie können das Poster dazu zur Probe auf DIN-A4-Format drucken. So gewinnen Sie einen allgemeinen Eindruck des Arbeitsergebnisses und entdecken Fehler, die am Bildschirm womöglich leichter übersehen werden. Beim Ausdrucken bitte unbedingt »an Seitengröße anpassen« auswählen. Das Unterlassen ist eine häufige Fehlerquelle. Alternativ lassen Sie Ihr Poster in einer professionellen Druckerei ausdrucken.

Fazit

Beschränken Sie sich auf das Wesentliche und gewähren Sie dem Betrachter Ihres Posters Luft zum Atmen. Das sieht schöner aus und lädt zum Stehenbleiben ein.